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Kastration Hund: Sollten wir unseren Rüden kastrieren lassen oder nicht? Operieren oder Suprelorin-Implantat?

Die Frage ist eigentlich, warum will man den Rüden kastrieren?

  1. Im Haushalt lebt eine Hündin, die soll keine Welpen bekommen.

  2. Verschiedene Medizinische Gründe: z.B. der Rüde ist hypersexuell. Wenn in der Nachbarschaft eine Hündin läufig ist leiden manche Rüden psychisch (jaulen, Appetitlosigkeit,...) und auch körperlich (schmerzhafte Prostataschwellung, Blutharnen,...). Wenn ein Hund Hoden- oder Prostatakrebs hat, bremst die Kastration die Krankheit erheblich, der Hund kann oft noch lange leben.

  3. Der Rüde zeigt Unarten wie berammeln von Beinen, markieren/pinkeln in der Wohnung, ist hibbelig und läuft dauernd weg um zu einer läufigen Hündin zu kommen, oder ist sogar dominant und aggressiv.

Wenn es um die Punkte 1. und 2. geht: da hilft eine Kastration natürlich sehr gut. Bei Punkt 1. wäre es aber viel besser die Hündin zu kastrieren (s. u. "Kastration Hund: Sollen wir unsere Hündin kastrieren lassen oder nicht?").

Bei Verhaltensproblemen wie in Punkt 3 sieht es anders aus: eine Besserung des Verhaltens erreicht man nur etwa bei der Hälfte der Rüden. Je länger der Hund schon das abweichende Verhalten zeigt, desto schlechter der Kastrationserfolg. Insbesondere Aggressivität ist leider oftmals nur schlecht durch Kastration zu behandeln.

Welche sinnvollen Möglichkeiten zur Kastration gibt es?

  1. Chirurgische Entfernung der Hoden: dauerhafte Wirkung, kein Weg zurück.

  1. Suprelorin-Implantat: dabei wird ein Wirkstoffstäbchen mit einer Spritze (wie beim Impfen) unter das Fell gespritzt. Wirkung je nach Implantat-Dosierung ½ Jahr oder 1-1,5 Jahre, danach wird der Rüde wieder normal.

Es gilt also abzuwägen: Was nützt die Kastration meinem Hund – Und welche Nebenwirkungen drohen?

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen einer Kastration beim Rüden:

  1. Narkose-Risiko bei chirurgischer Kastration: Bei gesunden Rüden ist das Operationsrisiko heute sehr gering. (Anders sieht es natürlich aus ist der Rüde alt, krank oder sehr dick. Dann sollte man schon überlegen ob eine Operation nicht doch vermeidlich ist.)

  1. Übermäßiger Appetit und Verfettung! Leider neigen kastrierte Rüden sehr zum Fettansatz Und auch wenn es banal klingt: ständiges Betteln um Futter kann schon sehr auf die Nerven gehen....

  1. Trägheit, Schläfrigkeit

  1. Fellveränderungen: kastrierten Rüden wächst oft ein sogenanntes Kastrationsfell. Eigentlich handelt es sich um ein Welpenfell. Durch die fehlenden Hormone wird es wieder wie beim Welpen: weicher, länger und es verfilzt schneller. Bei einem langhaarigen Hund wie einem Afghanen oder Collie kann Verfilzen schon ein echtes Problem darstellen. In seltenen Fällen kommt es auch zu schütterem Fell.

  1. Kastrierte Rüden bekommen gerinfügig häufiger als unkastrierte Rüden eine Nebenniereninsuffizienz. Das ist eine Hormonstörung. (Kastrierte Hündinen bekommen sie übrigens umgekehrt deutlich seltener als unkastrierte Mädchen!)

  1. Harninkontinenz tritt bei kastrierten Rüden etwas häufiger auf als bei unkastrierten.

Also: was rät Dr. Wolf?

Ganz einfach: erst einmal ein Implantat. Um ohne unötiges Risiko sehen zu können, wie es dem Hund als Kastrat ergeht. Und dann:

  1. Wenn das Ergebnis zufriedenstellend ist kann man entscheiden, ob man chirurgisch kastriert oder bei Bedarf ein neues Implantat spritzt.

  2. Wenn wir feststellen, daß z. B. der aggressive Rüde noch genauso beißt, dafür aber fett wird und sein Fell fusselt – na dann wissen wir, daß wir uns die OP sparen können. Statt zur OP geht es dann schleunigst zur Verhaltenstherapie.

  1. Wenn einfach nur die Verhütung wichtig ist und unser Rüde unter Kastration dick wird oder sein Fell verfilzt: dann wird er eben nicht kastriert, sondern sterilisiert. Dabei wird nur der Samenleiter unterbrochen. Der Junge verhält sich weiter als normaler Rüde, aber wenn er doch mal eine Hündin erwischt, gibt es keine Welpen.

Nur falls sich jemand fragt: mein eigener Rüde Tar war schon kastriert, als er 7jährig zu mir kam.

Tar ist ein Saluki aus dem Tierschutz. Er wurde wegen seiner Bissigkeit (schon kastriert) bei der Windhundhilfe abgegeben. Sein Problem waren nicht seine männlichen Hormone, sondern eine haltungsbedingte Verhaltensstörung. Er hatte einiges hinter sich und war als junger Hund nicht normal sozialisiert worden. Dagegen hilft keine Kastration.

Tar hat also nicht von der Kastration profitiert (geschadet hat das Kastrieren ihm aber auch nicht). Er hat als kleine Nebenwirkung etwas Welpenfell. Mich stört das weiche Fell überhaupt nicht, im Gegenteil ich mag ihn so flauschig.

tar-elendil_saluki

Aktualisiert ( Sonntag, den 04. Dezember 2011 um 10:28 Uhr )